Mensch, Usability 2012! 0

vom 22.09.2012

Die "Usability Professionals" - Konferenz lässt zusammen mit der gleichzeitig stattfindenden "Mensch & Computer" das Herz eines Usability-Menschen höher schlagen. Dieses Mal fand das ganze Spektakel in der Universität Konstanz am Bodensee statt. Wie auch letztes Jahr in Chemnitz war die gesamte Konferenz gut organisiert, massenweise Helfer-Studenten in grünen T-Shirts und eine Mensa mit tollem Blick über den Bodensee. Dazu viele gute Gelegenheiten, um mit Kollegen über Benutzerfreundlichkeit ins Gespräch zu kommen.

Und da waren da natürlich auch die Vorträge und Workshops. Licht und Schatten, um es mal so zu nennen.

Meine Top 3 auf der Sonnenseite:

"UX in gewachsenenen Systemen": Wie man es hinbekommt, bei einem eingesetzten Programm, an welches über Jahre immer wieder geplant und ungeplant Funktionen drangeschraubt wurden, endlich mal die Gebrauchstauglichkeit überprüfen zu dürfen, war das Thema bei diesem Vortrag. Am Ende war die Aussage klar: Nur Zahlen werden die Geschäftsführung überzeugen, damit ein Usability-Engineer sich an dem Programm ausleben darf. Also ganz klar nachweisen, wieviel Geld man durch eine bessere Bedienbarkeit einsparen wird. Dann klappt es auch, ganz sicher.

"Mit Hilfe von Image-Schemata Gestaltungsentscheidungen systematisch treffen": Ein deutlich weniger spektakulärer Titel, dafür aber mit Inhalt. Ziel ist es, bei Produkten eine möglichst intuitive Bedienung zu ermöglichen, also eine Bedienung ohne Vorwissen. Dazu muss man unter anderem nur auf das achten, was die Nutzer sagen, in welchen Bildern sie sprechen. Der Satz "Die Lautstärke steigt an" macht klar, dass es Unsinn wäre, einen Regler für Lautstärke zu programmieren, der die Musik lauter macht, wenn man ihn nach unten schiebt. Alles klar? Wenn nicht, ein gutes Video dazu gibt es hier.

"Mobile User Experience Engineering": Hier wurde der Frage nachgegangen, wann mobile Anwendungen nativ, also direkt in der Programmiersprache des jeweiligen Betriebssystems, programmiert werden sollten und wann eine einfache Web-App, eine mobile Internet-Seite, ausreicht. Ergebnis: Will man den Nutzer wirklich interaktiv begeistern und ihm etwas bieten, muss man derzeit noch nativ programmieren. Gestensteuerung und Geräte-Hardware können nämlich von Web-Apps noch nicht ausreichend verwendet werden.

Und da gab es natürlich auch die Schattenseite: Unfertige Präsentationen mit Rechtschreibfehlern; Vorträge ohne Aussage und Botschaft von Doktoranden, die seeehr ziemlich offensichtlich nur das Ziel hatten, das eigene Publikations-Verzeichnis zu füllen; Produktwerbung für ein Handy, welches für junge Inder konzipiert, aber leider nur an deutschen Jugendlichen getestet werden ("Ob unser Produkt ein Erfolg ist, können wir Ihnen leider nicht sagen."); eine unfertige "Mobile Usability Testing"-Anwendung, Bestandteil einer drei Jahre alten Doktor-Arbeit.

Die Kurzbeschreibungen mancher Vorträge versprachen im Vorfeld also leider deutlich mehr, und somit war es, genau wie im letzten Jahr, ein Glückspiel, ob man einen guten Vortrag erwischt. Aber da es immer heißt: "Nicht meckern, selbermachen!", gibt es nächstes Jahr auch einen Vortrag mit oder von mir. Ganz praktisch und rund, versprochen.


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